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Newsletter Mai / Juni 2026
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Leo Kahn - Dame mit schwarzem Hut
um 1945 -> Bild anklicken

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Robert Guttmann - Blumenlandschaft
um 1930 -> Bild anklicken

Neue Werke

Dieses beeindruckende Gemälde des Bruchsaler Malers Leo Kahn haben wir in einer Galerie in Tel Aviv entdeckt. Es ist Mitte der 1940er Jahre entstanden und zeigt Kahn auf dem Höhepunkt seines malerischen Könnens. 1950 war er der offizielle Vertreter Israels auf der Biennale in Venedig. 1952 wurde er mit dem renommierten Dizengoff-Preis ausgezeichnet, der bedeutendsten Auszeichnung für bildende Künste in Israel, benannt nach Meir Dizengoff, dem ersten Bürgermeister von Tel Aviv und Gründer des Tel Aviv Museum of Art.

Dieses farbenfrohe Pastell des Prager Malers Robert Guttmann tauchte im Frühjahr in Rostock auf. Es ist eines der wenigen Werke, die von ihm erhalten blieben. Guttmann war ein Kaffeehausmaler, der seine Bilder dort malte und auch dort verkaufte, bzw. seine Zeche damit beglich. Wie an der Randperforation zu sehen ist, stammt auch unser Blatt von einem Skizzenblock, den Guttmann immer dabei hatte. Somit ist auch unser Werk vermutlich ein Kaffehausprodukt. Guttmanns Malstil war naiv, was für die damalige Zeit neu war. Von der etablierten Kunstwelt wurde er deshalb nicht ernst genommen. Wir freuen uns sehr, dass wir eines seiner seltenen Werke erstehen konnten und diesen außergewöhnlichen Menschen nun hier präsentieren können.

 

Robert Guttmann

war aufgrund seiner exzentrischen Kleidung und seiner ungewöhnlichen Haartracht der meist fotografierte und portraitierte Mensch in Prag. Er war ein glühender Zionist und wanderte zu Fuß zu den Kongressen in Basel, London und Den Haag. 1932 veröffentlichte der Arzt Dr. Arthur Heller über Guttmann eine psychologische Studie. Während die Öffentlichkeit den Maler als bloße „Witzfigur“ verspottete, faszinierte Heller dessen unerschütterliches Selbstbewusstsein. Er untersuchte wissenschaftlich, wie Guttmann trotz Armut und Ausgrenzung eine derart starke, fast messianische Identität bewahren konnte. Nach seiner Deportation in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) ist Robert Guttmann 1942 nach fünf Monaten im Ghetto an Hunger gestorben.

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Robert Guttmann um 1930 

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Leo Kahn 1928
Leo Kahn

stammt aus Bruchsal und war ein bedeutender Maler des Expressiven Realismus. Ein künstlerisches Zeugnis in seiner Heimatstadt war die Ausmalung der Synagoge, bevor er 1936 aufgrund der NS-Verfolgung mit seiner Frau und seinen vier Kindern nach Palästina floh. Sein Stil war stark von Paul Cézanne beeinflusst und zeichnete sich durch eine leuchtende Farbigkeit in Landschaften und Porträts aus. In Israel gründete er die erste Textildruckfabrik des Landes, mit der er scheiterte und sein ganzes Vermögen verlor. Er arbeitete dort als Angestellter weiter und lebte nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit bis zu seinem Tod in der Künstlerkolonie Safed. Da die meisten seiner Werke von den Nationalsozialisten zerstört wurden, sind seine wenigen erhaltenen deutschen Arbeiten heute seltene Zeugnisse seines Frühwerks geworden.

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Thema des Monats

Lilli Fischel - Teil 3: Ihr Kampf um Wiedergutmachnung
Lilli Fischel übernahm nach dem Tod des Direktors 1927 die Leitung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. In Fortführung einer modernen Ankaufspolitik geriet sie schnell in das Visier völkischer Kreise, die ihre Erwerbungen zeitgenössischer und internationaler Kunst massiv kritisierten. Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde sie als Halbjüdin im April 1933 aus dem Staatsdienst entlassen und mit einem Berufsverbot belegt.

Im dritten und letzten Teil dokumentieren wir anhand ihrer Wiedergutmachungsakte den steinigen Weg zum Recht. Es waren zermürbende Anstrengungen nötig, um vom jungen deutschen Staat eine Entschädigung für das erlittene Unrecht zu erwirken. Nach Kriegsende kehrte Lilli Fischel in den Dienst der Kunsthalle Karlsruhe zurück, wo sie bis zu ihrer Pensionierung als Angestellte tätig war.

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Lilli Fischel um 1928
Foto Lucia Moholy © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
 

 

Ausblick: Der nächste Newsletter erscheint im Juli. Wir werden dann Lithograpien und Zeichnungen der Wiener Grafikerin Lili Réthi präsentieren, sowie ein Gemälde der Malerin Anne Anker Rothschild. Thema des Monats Juli wird sein: "Kunst im Exil".

 

Dr. Beatrix Früh
Dipl.-W. Ing. Stefan Schmitt
Das Virtuelle Museum in Karlsruhe
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