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Newsletter Juli / August 2026
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Felix Nussbaum - Schloss in Rapallo
1934 -> Bild anklicken

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Lili Réthi - Kesselschmiede
1921 -> Bild anklicken

Neue Werke

Bei diesem düsteren Werk handelt es sich um eine Arbeit von Felix Nussbaum. Wir haben es in einer Galerie nahe dem Geburtsort des Künstlers in Osnabrück entdeckt. Die Übergabe fand im Felix-Nussbaum-Haus statt. Dort hatten wir die Möglichkeit, uns mit der Kuratorin der Sammlung, Anne Sibylle Schwetter, über die interessante Provenienz dieses Werkes zu unterhalten. Das Werk entstand im Sommer 1934 an der italienischen Riviera. Dort sah Nussbaum vor seiner Flucht nach Brüssel seine Eltern vor deren Deportation nach Auschwitz zum letzten Mal. Das Werk zeigt die bedrückende Stimmung, die dieses Treffen beherrscht hat.

Diese imposante Lithographie stammt von der Wiener Grafikerin Lili Réthi, einer Pionierin der Industriegrafik. Um den harten Alltag der Kumpel unter Tage festzuhalten, fuhr sie 1921 sogar als Junge verkleidet für mehrere Tage in ein Dortmunder Kohlebergwerk ein. Für Frauen war die Arbeit unter Tage damals gesetzlich verboten. Im selben Jahr entstand auch die Lithographie Kesselschmiede, die einen direkten Einblick in die damalige Männerwelt der Schwerindustrie gibt. Sie bereiste die größten Baustellen Deutschlands und Europas, bevor ihr Hermann Göring persönlich einen Großauftrag anbot, dem sie sich durch ihre Flucht nach Großbritannien und später in die USA entzog.

 

Felix Nussbaum

Dieses Passfoto entstand im Oktober 1937 in Brüssel für die Verlängerung seines belgischen Fremdenpasses. Im selben Monat heiratete er dort seine langjährige Lebensgefährtin, die Malerin Felka Platek.

Der in Osnabrück geborene Maler der Neuen Sachlichkeit war nach dem Entzug seines Rom-Stipendiums im Jahr 1933 nie wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Belgien im Jahr 1940 und der Flucht aus einem Internierungslager lebte das Paar jahrelang im Brüsseler Untergrund. Trotz ständiger Angst vor Entdeckung schuf Nussbaum im Versteck ein erschütterndes Spätwerk, das den Terror des Holocaust dokumentiert.

Nach einer Denunziation wurden Felix Nussbaum und Felka Platek am 20. Juni 1944 verhaftet. Sie wurden mit dem letzten Deportationszug aus Belgien nach Auschwitz überführt. Während Felka Platek vermutlich im August 1944 ermordet wurde, überlebte Felix Nussbaum nachweislich die ersten Wochen im Lager. Ihr Vermächtnis lebt heute im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück weiter.

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Felix Nussbaum - 1937 

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Lili Réthi - 1963
Lili Réthi

Dieses Foto zeigt Lili Réthi im Juli 1963 im Alter von sage und schreibe 68 Jahren mit Schutzhelm und Zeichenbrett auf der über 200 Meter hohen Stahlkonstruktion der Verrazzano-Narrows Bridge in New York. Sie verbrachte Monate auf der Baustelle, um den Bau der damals weltweit größten Hängebrücke zeichnerisch zu dokumentieren. Aus Bewunderung für ihre Ausdauer zimmerten die Brückenarbeiter der Künstlerin eine eigene Holzhütte zum Schutz vor dem Wind.

Lili Réthi wurde 1894 in Wien in eine jüdische Familie geboren. Nach ihrer Ausbildung an der dortigen Kunstschule für Frauen spezialisierte sie sich auf die zeichnerische Darstellung von industriellen Großprojekten. Ab 1939 lebte sie im US-Exil in New York, wo sie große Erfolge feierte und 1969 verstarb. Ihre Werke befinden sich heute in den bedeutendsten Museen der USA.

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Künste im Exil

Das Schicksal vertriebener Künstlerinnen und Künstler fern der Heimat

Dieses Thema des Monats beleuchtet die Mechanismen der Vertreibung und was der Verlust der Heimat für die Kunst bedeutet. Nach der Flucht vor Diktaturen oder Kriegen wird das kreative Schaffen in der Fremde oft zum Werkzeug des inneren Widerstands. Doch der Verlust des gewohnten Publikums und der Mangel an Arbeitsmaterialien stellen Kunstschaffende vor existenzielle Hürden. Während wenigen die Neuorientierung gelingt, scheitern viele an der Isolation oder werden von den Verfolgern eingeholt. Die im Exil entstandenen Werke sind zeitlose Mahnmale für die Zerbrechlichkeit der Freiheit.

Eine bittere Ironie traf jüdische Flüchtlinge nach ihrer Flucht: In Zufluchtsländern wie Großbritannien wurden sie bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs plötzlich als „feindliche Ausländer“ (Enemy Aliens) eingestuft. Statt Freiheit erwartete sie die Internierung hinter Stacheldraht, was jegliches künstlerische Schaffen über Monate oder Jahre lähmte.

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Einwanderungszertifikat für Palästina 

 

Ausblick: Der nächste Newsletter erscheint im September. Wir werden dann ein Aquarell von Erich Brill präsentieren, sowie Gemälde der Malerin Anne Anker Rothschild. Thema des Monats September wird sein: "Die Rolle Hermann Görings beim Kunstraub der Nazis".

 

Dr. Beatrix Früh
Dipl.-W. Ing. Stefan Schmitt
Das Virtuelle Museum in Karlsruhe
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