Elisabeth Ronget-Bohm

*1899 Konitz / Polen
†1980 Paris
Kunstwerk von Elisabeth Ronget in Großansicht

Kunsthistorische Charakterisierung

Dieses monumentale Meisterwerk von Elisabeth Ronget-Bohm zeigt eine pulsierende Einkehr-Szene in einer urbanen Bar und führt uns mitten in das kosmopolitische Lebensgefühl der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre. Stilistisch gelingt Ronget hier eine virtuose Synthese aus dem französischen Kubismus und der emotionalen Farbdynamik des Expressiven Realismus. Die Figuren sind meisterhaft geometrisiert und facettiert; ihre Gesichter sind zu anonymen, maskenhaften Ellipsen reduziert. Ronget geht es nicht um das individuelle Porträt, sondern um die Erfassung des kollektiven Rhythmus und der untergründigen Melancholie des großstädtischen Nachtlebens. Die Bildkomposition wird im Zentrum von einem Seemann in seiner markanten Marineuniform und der weißen Mütze mit dem roten Pompon beherrscht – ein absolutes Kult-Motiv der pariser Moderne, inspiriert von den rauchigen Hafenbars in Marseille und den Jazz-Clubs von Montparnasse. Ronget rhythmisiert den Bildraum durch das clevere Spiel kontrastierender Muster: Das strenge Quadrate-Gitter im Hintergrund links bricht sich im lebendigen, diagonalen Rautenmuster des Fußbodens und den sanft gewellten Linien des Vorhangs oben rechts. Die gedämpfte, edle Palette aus Ocker, Sand, Schokolade und Tiefschwarz wird durch das strahlende Blau der Uniform effektvoll geerdet. Das Werk strahlt eine visuelle Musikalität aus, die die rauchige Jazz-Atmosphäre der Epoche physisch spürbar macht.

Provenienz & Historie

um 1930 Entstehung in Paris
bis 1990er Verbleib in französischen Privatsammlungen
um 1990 Erworben durch die Papillon Gallery in Los Angeles von der renommierten Galerie Pierre Tesi am Quai Voltaire in Paris
danach Verkauft an einen Kunstsammler in Los Angeles, wo sich das Gemälde über drei Jahrzehnte in kalifornischem Privatbesitz befand
2022 Rückgabe des Werkes durch den US-Besitzer an die Papillon Gallery zum Zwecke des Weiterverkaufs
2023 Erworben von der Sammlung "Lost Generation Art" in Karlsruhe