Paula Wimmer

*1876 München-Solln ― †1971 Dachau



Winterfreuden




B i o g r a p h i e


Paula Wimmer, Tochter eines bekannten Anwalts, wurde 1876 in München-Solln geboren. Nach dem Besuch der höheren Mädchenschule entschied sie sich, entsprechend ihrer sich schon schon sehr früh zeigenden Begabung zum Zeichnen und Malen, für eine künstlerische Ausbildung - zunächst bei Karl Becker-Gundahl an der Akademie der Bildenden Künste München. Dort lernte sie Franz von Stuck und Max Feldbauer kennen. Ihr Studium setzte sie fort in Florenz an der Academia, in Paris an der École Rancon und 1908 an der privaten Malschule von Max Feldbauer in Dachau und München, wo sie sich insbesondere dem Aktzeichnen und der Freilichtmalerei widmete. Zusammen mit Max Feldbauer arbeitete sie in Griesbach/Niederbayern und begleitete ihn zu einer Studienreise in die Bretagne. Als ihr Lehrer nach Dresden berufen wurde, kehrte Paula Wimmer nach Dachau zurück, löste sich von der impressionistischen Malweise Max Feldbauers und fand ihren eigenständigen künstlerischen Ausdruck in einem experimentierenden Expressionismus. Schon als Studentin war Paula Wimmer Mitglied der Akademie der Bildenden Künste München.

Die Künstlerin unternahm auch Studienreisen nach Venedig, Florenz, Rom und Paris. 1914 ging sie mit ihrer Mutter nach Berlin, wo sie zwei Jahre lebte und mit führenden Vertretern des Expressionismus zusammen kam, die sie stark beeinflussten. In dem bekannten Kunstkritiker Paul Westheim, welcher sich besonders für die damalige Avantgarde einsetzte, fand Paula Wimmer einen einflussreichen Gönner. Durch Paul Cassirer, Alfred Kubin und Fritz Gurlitt wurde sie ebenfalls, entgegen starker Widerstände, auf ihrem künstlerischen Weg unterstützt. In Berlin befreundete sich Paula Wimmer mit der deutsch-jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler. Ab 1916 nahm sie ihren festen Wohnsitz in Dachau. Dort besuchte sie die private Malschule von Adolf Hölzel (1853-1934), der immer in den Sommermonaten mit einer großen Schülerschar aus Stuttgart nach Dachau kam, und gehörte neben Ida Kerkovius (1879-1970), Maria Langer-Schöller (1878-1969) und Else von Freytag-Lovinghoven (1874-1927), um nur einige zu nennen, zu den sogenannten "Malweibern". Ihre Landschaftsgemälde in leuchtendem Kolorit sorgten seinerzeit für Aufsehen. Paula Wimmer betätigte sich auch an verschiedenen Stellen als Fresko-Malerin in der Dachauer "St.-Jakobs-Kirche". In der Stadt an der Amper war die Malerin und Grafikerin Mitglied der "Künstlergruppe Dachau", der "Kunstvereinigung Dachau" und der "Neuen Sezession".

Mit großem Erfolg beschickte sie in den 1920er und 1930er Jahren Ausstellungen in München, Rom, Wien, Berlin, Paris, Stuttgart und Salzburg. In Salzburg wurde ihr bereits 1918 die "Silberne Staatsmedaille" verliehen. Paula Wimmers Erfolg endete mit dem Kunstdiktat der Nationalsozialisten, die ihre Werke als Entartete Kunst einstuften und einige davon vernichteten. Deshalb begann sie in einem naiven Stil mit unverfänglichen Bildthemen zu malen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren ihre Werke regelmäßig bei den Ausstellungen im Haus der Kunst in München vertreten. Unter den Dachauer Künstlern steht sie von ihrer Bedeutung her mit an erster Stelle. In ihrer Wahlheimat erinnert eine Strasse sowie die "Paula-Wimmer-Stube" im "Ludwig-Thoma-Haus" an die Künstlerin. Viele ihrer Werke sind in der "Gemäldegalerie Dachau" zu besichtigen.

In unserem Werk "Winterfreuden in der Wieningerstraße" hat sich die Malerin selbst dargestellt. Die Dame mit dem weißen Kopftuch ist Paula Wimmer.