Curt Singer

*1905 Karlsbad ― †1989 Israel



Stillleben

Jerusalem




B i o g r a p h i e


Jahre in Deutschland (1905 - 1935)

Curt Singer wurde am 27. Februar 1905 mit dem Vornamen "Kurt" im tschechischen Karlsbad in eine jüdische Familie geboren. Sein Vater war der Kaufmann und Kunsthändler Victor Singer; seine Mutter war Bertha Singer, geb. Heller, die in Hamburg eine Korsettmanufaktur betrieb. Die Eltern zogen 1905, also im Jahr der Geburt ihres Sohnes, von Karlsbad nach Hamburg. Das in der deutschen Literatur oft genannte Todesjahr 1938 mit "Freitod in Paris" ist falsch, denn er verstarb 1989 in Israel. In den Hamburger Geburtsregistern ist zwischen 1890 und 1910 kein Eintrag zu einem Curt oder Kurt Singer zu finden. Das heißt, es gab, im Gegensatz zu heutigen Vermutungen, zur damaligen Zeit in Hamburg keinen zweiten Maler mit dem Namen Curt Singer, der auch dort geboren wurde. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass es 1938 im Sterberegister von Paris keinen Eintrag zu einem Curt oder Kurt Singer gibt.

Der Maler Kurt Singer wird in der zeitgenössischen deutschen Literatur oft verwechselt mit dem Arzt und Dirigenten Dr. Kurt Singer, der 1933 mit Freunden den „Kulturbund deutscher Juden“ in Berlin gegründetet hat. Das war die Reaktion auf den Ausschluss der jüdischen Künstlerinnen und Künstler aus den Berliner Künstlerverbänden nach dem Machtantritt der Nazis. Dr. Singers Idee verbreitete sich sofort in vielen deutschen Städten. Anfang 1935 gab es mehr als 36 regionale oder lokale Kulturbünde mit etwa 70.000 Mitgliedern. Diese mussten sich bis zum August 1935 im "Reichsverband jüdischer Kulturbünde in Deutschland" (RJK) zusammenschließen, der dem Reichspropagandaministerium unterstellt wurde. Erster Vorsitzender dieses Verbandes wurde eben nicht der Maler, sondern der Dirigent Dr. Kurt Singer. Möglicherweise um eine Verwechselung auszuschließen, hat sich der Maler Kurt Singer damals Curt Singer genannt und seine Werke entweder mit "Curt Singer" oder mit "C. Singer" signiert. Im Gegensatz zu dem Maler, hat der Dirigent Dr. Kurt Singer den Holocaust nicht überlebt - er starb im Januar 1944 im KZ Theresienstadt.

Curt Singer ist in Hamburg Altona in der Oberstraße 1 aufgewachsen und machte 1922 sein Abitur. Seine Malerkarriere startet er zunächst als Autodidakt, denn von 1924 bis 1926 studierte er Philosophie, Nationalökonomie und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg - war aber bereits zu dieser Zeit als Maler tätig. Mit einem Stipendium der Amsinck-Stiftung bereiste er 1927/28 die Niederlande und Frankreich und lebte auch einige Zeit in Paris. 1929 nahm er an der Altonaer Kunstausstellung teil und erhielt einen Geldpreis. Zudem hat die Stadt Hamburg eines seiner Gemälde angekauft. Erst 1930 begann er ein Kunststudium an der Berliner Kunsthochschule und unterrichtete nach seinem Abschluss 1932 an der Hamburger Kunstgewerbeschule Kunsthandwerk und Malerei. Er war Mitglied der Hamburgischen Künstlerschaft und nahm an deren Ausstellungen teil. Noch im Januar 1933 erwarb die Hamburger Senatskommission ein weiteres seiner Gemälde mit dem Titel Alsterdamm zum Preis von 200 Mark. Dieses Gemälde befindet sich heute in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Schon kurz danach wurde er im April 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Hamburger Künstlerschaft ausgeschlossen.


Jahre in Israel (1935 - 1989)

Nach seiner Ausgrenzung als jüdischer Künstler und der Entfernung aller jüdischen Lehrer aus dem Schuldienst im Jahre 1934, hat Curt Singer möglicherweise keine Perspektive mehr für sich in Deutschland gesehen und wanderte schon im August 1935 nach Palästina/Israel aus. Er wurde Mitglied im Kibbuz „Heftziba“ und arbeitete dort im Weinanbau. In dieser Zeit malte er kaum und heiratet Erna Goldstein, geb. Schield. 1943 zieht er mit seiner Frau und seiner Tochter Lavie nach Jerusalem, wo er ab 1955 mit seiner Familie im Stadtteil En Kerem lebt, einem kleinen Bergdorf. Curt Singer war einer der Gründer des Künstlerhauses in Jerusalem. Erst 1957 widmete er sich wieder ganz der Malerei. Viele seiner Landschaften und Stillleben wurden in En Kerem gemalt. 1982 zog Curt Singer mit seiner Frau zu seiner Tochter in den Kibbuz "Nir Oz" im Süden Israels, nahe der Negevwüste. Dort verstarb er am 10. April 1989. Seine Eltern und seine ältere Schwester Hannah sind 1938 von Hamburg über England nach Australien geflüchtet und haben den Holocaust ebenfalls überlebt.


Künstlerische Rezeption

Curt Singer verfügte über Beobachtungs- und Zeichenfähigkeiten, die es ihm ermöglichten, mit scharfem Blick menschliche Situationen und Eindrücke aus der Natur spontan und mit äußerster Leichtigkeit wahrzunehmen. Singers prüfender Blick reagiert ehrlich auf die Eindrücke, die sich ihm offenbaren, und er überträgt sie gekonnt auf seine Werke. Seine Malthemen basierten auf seinen Eindrücken von ländlichen Gegenden, was die persönliche Verbindung betonte, die er zur einzigartigen Atmosphäre des Landes und seiner Landschaften entwickelte. Er hat viel dazu beigetragen, die Bewohner des Landes in ihrem täglichen Leben darzustellen, indem er all die verschiedenen Ethnien, Religionen und Schattierungen repräsentierte, die das israelische Mosaik ausmachen. Singer malte seine Bilder mit großer Sensibilität und Bescheidenheit und verlieh seinen Gemälden gleichzeitig Leben und Dynamik. Die von Singer verwendete Farbpalette ist hell und klar, was seinen Gemälden viel Licht und Atmosphäre verleiht. Singers Vision ist idyllisch und optimistisch. Vielleicht ein Beweis dafür, dass er die Stadt Jerusalem, in der er viele Jahre lebte und arbeitete, wirklich liebte.